Wenn ich die Zeichen (sprich: Spuren in den Medien)
richtig deute, beschäftigt sich heutige Didaktik weit mehr mit dem Wie als mit
dem Was. Geschrieben wird intensiv über die veränderten Lehr- und Lernmethoden
(Stichwort Lernen 2.0), gefordert wird ein individualisierender Lernbetrieb,
der die Segnungen modernster Technik – sprich Smartphone und Tablet – selbstverständlich integriert, natürlich mit den entsprechenden Konsequenzen für die
Unterrichtsmaterialien.
Nachgedacht wird weit weniger intensiv, wie mir scheint,
über das Was, d.h. die Frage der Unterrichtsinhalte. Zwar ist in der Schweiz der Lehrplan 21 am Entstehen,
aber er erscheint sozusagen lautlos.
Wenn man sich bei Jeremy Rifkin umschaut, insbesondere in
seinem neuesten Buch Die dritte industrielle Revolution. Die Zukunft der
Wirtschaft nach dem Atomzeitalter, wird
einem noch deutlicher bewusst, wie wichtig die Vorbereitung junger Menschen auf
die so genannte Welt von morgen ist. Rifkin plädiert für neue Bildungsinhalte,
insbesondere für die Sensibilisierung des homo sapiens für die Biosphäre,
für ein „Biosphärenbewusstsein“ also, welches aus dem solcherart erzogenen und unterrichteten
jungen Menschen einen „homo empathicus“ macht. Mithilfe kollaborativen, „lateralen“
Lernens soll „das Selbst der Schüler durch den Kontakt mit den vielen
ökologischen Gemeinschaften erweitert“ werden (Stichworte: Lernen durch
Landschaften, Lernumgebung Biosphäre). Gleichzeitig warnt Rifkin vor einem
Übermass an elektronischen Medien im Unterricht: „Die Natur besteht nicht aus Pixeln.“
Erinnern wir uns
noch kurz an Heidegger:
„In allen
Bereichen des Daseins, wird der Mensch immer enger umstellt von den Kräften der
technischen Apparaturen und der Automaten. Die Mächte, die den Menschen überall
und stündlich in irgendeiner Gestalt … beanspruchen, fesseln, fortziehen und
bedrängen – diese Mächte sind längst über den Willen und die
Entscheidungsfähigkeit des Menschen hinausgewachsen, …“ Umso wichtiger ist es,
so Heidegger, gegenüber diesem „rechnenden“ Denken das „besinnliche“ Nachdenken
ins Spiel zu bringen. (Die Zitate stammen aus dem Text Gelassenheit von 1955)
Die Konsequenzen
aus Rifkin und Heidegger für die Neugestaltung der Lehrpläne für das 21. Jahrhundert
liegen zwar auf der Hand – ob sie jedoch als relevant erkannt werden, darf
(noch) bezweifelt werden.
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